Armbanduhr Geschichte
Die ersten tragbaren Uhren waren Taschenuhren. Nachweislich kamen von Peter Henlein gebaute Zeitmesser etwa um 1500 auf. Vermutlich gab es jedoch schon frühere Formen der Taschenuhr. Sie funktionierte nach dem Prinzip der Zugfeder. Diese Feder erlaubte den Antrieb und die Unruh (ein Drehpendel) als Ersatz für bisher verwendete Hängependel als Takt gebendes Instrument. Durch diese neue Technik konnten herkömmliche Uhren auf eine handliche Größe verkleinert werden. Aufgrund ihrer Größe und Praktikabilität fand sie rasch Verbreitung in ganz Europa.
Die Wende des 20. Jahrhunderts brachte mit neuen Techniken auch eine weitere Miniaturisierung des Uhrwerks mit sich. Die Uhren schrumpften auf Armbandgröße. Die Damen dieser Zeit machten es bald zur Mode, kleine Damentaschenuhren am Handgelenk zu tragen. Herren benutzten weiterhin ihre Taschenuhr an einer Uhrkette – wer wollte schon als weibisch gelten. Das Tragen an einer Kette erwies sich jedoch in vielen Situationen als unhandlich. Die Piloten dieser Zeit flogen damals beispielsweise Flugzeuge, die relativ spärlich mit Bordinstrumenten ausgestattet waren. Sie waren auf eine schnelle und präzise Zeitmessung angewiesen.
Die Geburtsstunde unserer heutigen Armbanduhr schlug, als der brasilianische Flugpionier Alberto Santos-Dumont seinen befreundeten Pariser Uhrmacher Louis Cartier beauftragte, für ihn eine Uhr für Flieger zu bauen. Sie sollte an einem Armband getragen werden und präzise genug sein, um damit sicher navigieren zu können. Die dabei entstandene Cartier Santos gilt als die erste Armbanduhr für Männer.
Nach den Fliegern entdeckte auch das Militär die neuen Armbanduhren für sich. Im Ersten Weltkrieg stellten viele Offiziere fest, dass auf ihre Taschenuhren im Winter und unter Kampfbedingungen kein Verlass war. Sie waren schlicht unpraktisch. So entschieden sich immer mehr Militärs für die Nutzung von Armbanduhren. Auch in der zivilen Gesellschaft fanden sie schnell Liebhaber. Nach Kriegsende war die Armbanduhr zum allgemeinen Standard zur Zeitmessung geworden.
1923 baute John Harwood die erste Automatikuhr als Armbanduhr mit Pendelschwungmasse. Offensichtlich war ihm nicht bekannt, dass Abraham Louis Perrelet bereit um 1770 eine Taschenuhr mit Rotor und Wechsler konstruiert hatte, die man beidseitig aufziehen konnte. Rolex folgte mit dem Bau einer Automatikuhr mit einseitig aufziehendem Rotor. Bis heute verfügt das Unternehmen über die Patente darüber. Eine Automatic bezieht die Energie zum Spannen der Feder aus den Armbewegungen des Trägers.
Die erste Quarzuhr entwickelte Warren Alvin Morrison 1929. Diese Neuentwicklung war genauer als bisherige mechanische Uhren. Die erste tragbare Quarzuhr produzierten Rohde & Schwarz 1938. Die erste elektronische digitale Armbanduhr folgte 1970. Sie war in der Lage, kurzzeitig auf Knopfdruck die Zeit in roten Zahlen mit LED-Dioden anzuzeigen. Allerdings beanspruchte sie die Batterie sehr stark. Nur zwei Jahre später präsentierten Longines und Seiko die ersten digitalen Armbanduhren mit Energie sparenden Flüssigkristallanzeigen (LCD). Sie zeigten die Zeit ständig schwarz auf grau an. Bis heute ist diese Technik Standard bei den Armbanduhren.