Stimmgabeluhr
Noch in den 1950er Jahren funktionierten sämtliche Armbanduhren mechanisch. Die Unruh zur Schwingungserzeugung lief mit 2,5 bis 5 Hz. Die Frequenzgenauigkeit bestimmte die Gangabweichung der Uhr. Je höher die Frequenz, desto geringer die Abweichung. Die Frequenz einer Unruh ließ sich jedoch nicht unbegrenzt steigern, so dass andere Systeme zur Minimierung der Gangabweichung notwendig wurden. Stimmgabeluhren wurden erfunden, die mittels einer sehr kleinen Stimmgabel mit 300 bis 720 Hz schwingen konnten.
Die Anregung der Stimmgabel erfolgte über kleine Elektromagnete. Eine Transistorschaltung erzeugte elektrische Impulse. Eine Sperrklinke an der Stimmgabel übertrug die Bewegung auf das Räderwerk. Ein großer Vorteil dieses Systems ist, dass hier weniger Verschleiß auftritt als bei der herkömmlichen Ankerhemmung. Es ist also haltbarer und auch leichter zu reparieren. Die Lager der Zahnräder werden kaum belastet, da keine Federkraft auf sie wirkt. Darüber hinaus verfügt eine Stimmgabeluhr über eine so geringe Energieaufnahme, dass Batterien sehr lange halten.
Die erste Stimmgabeluhr stellte der Physiker Max Hetzel 1921 in Basel vor. Der erste kommerzielle Prototyp einer Armbanduhr wurde 1954 gefertigt. Vertrieben wurde die erste Stimmgabel-Armbanduhr „Accutron“ erst ab 1960. Sie lief mit 360 Hz und verfügte über eine ausgezeichnete Gangabweichung von etwa 60 Sekunden pro Monat.
Die Accutron-Uhren wurden unter anderem bei NASA-Weltraummissionen eingesetzt. Nach 1970 kamen die Quarzuhren auf, die nochmals höhere Frequenzen aufwiesen. Sie lösten die Stimmgabel-Armbanduhren vollständig ab.